19/09/2009

History of anti-Semitism

Die Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts, in: Spiegel Special, 1, 2004

 

Jahr Christopher, Sündenböcke der Niederlage, S.88-89

 

Als Deutschland 1914 in den Krieg die Juden die gleiche aus Entschlossenheit und  Unsicherheit, aus Kriegsbegeisterung und Friedenssehnsucht wie ihre nicht-jüdischen Mitbürger. So demonstrierten auch sie die für jene Tage typische Kampfbereitschaft.

"Glaubensgenossen! Wir rufen Euch auf, über das Maß der Pflicht hinaus Eure

Kräfte dem Vaterland zu widmen!", gab der "Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" den ausrückenden Soldaten mit auf den Weg.

Kaum eine Bevölkerungsgruppe in Deutschland hat das Versprechen Wilhelms 11., "keine Parteien mehr" zu kennen, häufiger beschworen als die Juden. Denn obwohl sie seit über vier Jahrzehnten gleichberechtigte Staatsbürger gewesen waren, blieben Vorurteile und Abneigung, von skrupellosen Agitatoren geschürt, in der Gesellschaft gegenwärtig. Nun aber schien das alles vergessen. Die antisemitische Hetzpresse schwieg, und erstmals seit Jahrzehnten wurden sogar wieder Juden zu preußischen Offizieren befördert.

Die Hoffnung, sich durch demonstrativen Patriotismus aus ihrer Außenseiterrolle befreien zu können, teilten die deutschen Juden mit den Sozialdemokraten. Und so war es der jüdische SPD-Reichstagsabgeordnete Ludwig Frank, der als Kriegsfreiwilliger bereits am 3. September

1914 fiel - als einziges Mitglied dieses an Stammtischpatrioten reichen Parlaments.

Und noch eines verband beide: ihre von der Reichsregierung geschickt ausgenutzte Abneigung gegen das zaristische Russland, die Heimat der Pogrome und der Unterdrückung, den Inbegriff der Rückständigkeit. Die zionistische "Jüdische Rundschau" etwa schrieb, "dass der Sieg des Moskowitertums jüdische und zionistische Hoffnungen ... vernichtet ... Denn

auf deutscher Seite ist Fortschritt, Freiheit und Kultur".

Ungeachtet solch patriotischer Töne brachen jedoch die Antisemiten den emphatisch verkündeten "Burgfrieden" sehr schnell. Houston Stewart Chamberlain etwa, Schwiegersohn Richard Wagners und antisemitischer Theoretiker, zeigte sich im September 1914 reumütig, weil die Juden "ihre Pflicht vor dem Feinde und daheim" getan hatten. Doch bald schon hatte er zu seinem alten Hass gegen das "Teufelsgezücht" zurückgefunden. Ähnlich hielt es der Leipziger Antisemit Theodor Fritsch, dessen "Reichshammerbund" bereits seit Ende August 1914 wieder "Belastungs- material" gegen die Juden sammelte.

 

Die schlimmsten Auswüchse antisemitischer Propaganda wurden jedoch von der Militärzensur unterdrückt, so dass die Judenfeinde zum Mittel der Denunziation griffen. Ihre erste Kampagne richtete sich gegen die angeblich "wie ein Heuschreckenschwarm über das Deutsche Reich" herfallenden Juden aus dem deutsch besetzten Osteuropa.

Etwa 50 000 ostjüdische Arbeiter lebten bereits vor dem Krieg in Deutschland, nach 1914 kamen rund 30 000 hinzu, die Hälfte davon als Zwangsarbeiter. Sie waren für die Kriegswirtschaft ebenso unverzichtbar wie der Chemiker Fritz Haber, der Reeder Albert Ballin oder der Großindustrielle und spätere Reichsaußenminister Walther Rathenau. Haber war der Initiator und Organisator des Giftgaskrieges auf deutscher Seite, Ballin organisier-

te im Herbst 1914 die deutsche Getreideversorgung. Doch es war vor allem Rathenau, der die deutsche Kriegswirtschaft 1914/15 als erster Leiter der auf seinen Vorschlag hin gegründeten Kriegsrohstoffabteilung im Preußischen Kriegsministerium prägte.

Juden in einigen leitenden Positionen der von Mangel und Verteilungskämpfen geprägten Kriegswirtschaft, in der viele Menschen um ihr täglich Brot kämpfen mussten - das war ein gefundenes Fressen für die Antisemiten, die das alte Klischee vom "jüdischen Wucherer"

begierig aufwärmten. Auch im Heer wuchs bald wieder der Antisemitismus.

Desillusioniert vertraute etwa im September 1916 der Vize-Feldwebel Julius Marx seinem

Tagebuch an: "Ich möchte hier nichts sein als ein deutscher Soldat - aber man sorgt nach - gerade dafür, dass ich ders weiß." Schlimmer als der Vorwurf der „Kriegsgewinnlerei“ war in diesem menschenverschlingenden Krieg die heimtückische Behauptung, viele Juden entzögen sich dem Frontdienst.

 

Seit Ende 1915 schwemmten die Antisemiten das Preußische Kriegsministerium mit anonymen Eingaben. Am 11. Oktober 1916 ordnete der Preußische Kriegsminister Wild von Hohenborn schließlich unter dem aktenstaubtrockenen Titel "Nachweisung der beim Heere befindlichen wehrpflichtigen Juden" eine von den Zeitgenossen schlicht "Judenzählung" genannte Statistik an. Zwar lautete deren offizielle Begründung, man wolle den Vorwurf der "Drückebergerei" lediglich nachprüfen, um ihm "gegebenenfalls entgegentreten zu können". Doch alle gegenteiligen. Beteuerungen halfen nichts: Mit diesem Erlass übernahm das Ministerium antisemitische Stereotypen. Die Ergebnisse der "Judenzählung" wurden nie veröffentlicht, worin die Antisemiten eine Bestätigung ihrer Vorwürfe erblickten. Nach Kriegsende wurden dem radikalvölkischen Autor Alfred Roth die amtlichen Quellen zugespielt, aus denen er den angeblichen Beweis für die Wahrheit jenes Spruches erbrachte, der 1918 an der Front kursierte: "Überall grinst ihr Gesicht, nur im Schützengraben nicht!" Der Soziologe und Nationalökonom Franz Oppenheimer und andere entlarvten die Taschenspielertricks, mit denen Roth und Konsorten die an sich schon fragwürdige Statistik weiter verfälscht hatten. Seriöse Hochrechnungen zeigten, dass unter rund 550 000 deutschen Staatsbürgern jüdischer Religionszugehörigkeit knapp l00 000 Kriegsteilnehmer waren, von denen 77 Prozent an der Front standen. Allein die Zahl von 30000 Kriegsauszeichnungen und l2 000 Gefallenen beweist ihre Opferbereitschaft. Nach l933 wurden die "Frontkämpfer" daher zunächst noch von einigen antijüdischen Maßnahmen des Nazi-Regimes ausgenommen, doch spätestens l935 war es auch damit vorbei. Kein im Weltkrieg erworbenes Eisernes Kreuz schützte sie später vor der Deportation in den Tod.

Die "Judenzählung" kann nicht allein durch den Antisemitismus erklärt werden. Sie stand vielmehr im Zusammenhang mit der Ausbildung der "verdeckten Militärdiktatur" unter Generalstabschef Paul von Hindenburg und seinem Adlatus Erich Ludendorff, der totalen Mobilmachung aller menschlichen und industriellen Ressourcen sowie der aggressiven Agitation gegen den Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg. Der war gewiss kein Liberaler oder gar Demokrat. Aber er war doch Realist genug, um zu erkennen, dass innenpolitische Reformen notwendig waren und der Krieg notfalls auch ohne militärischen Sieg beendet werden musste.

Das genügte, um ihn als "Flaumacher" zu diffamieren und das Schreckbild einer Regierung unter "alljüdischer" Leitung zu malen. Angesichts der Niederlage rief Heinrich Claß, Führer des antisemitischen und ultranationalistischen "Alldeutschen Verbandes", im Oktober l9l8 dazu auf, die katastr0phale Lage Deutschlands "zu Fanfaren gegen das Judentum und die

Juden als Blitzableiter" zu benutzen. Die "Dolchstoßlegende" war geboren, der zufolge Deutschland nicht militärischer Überlegenheit, sondern einer internationalen Verschwörung von Sozialisten, Pazifisten und Juden erlegen war, obwohl beispielsweise Walther Rathenau bis zuletzt zum "Durchhalten" aufrief.

Seit der Oktoberrevolution in Russland gewann auch die Behauptung der Identität von Revolution und Judentum durch den Hinweis auf führende Revolutionäre jüdischer Herkunft wie Leo Trotzki eine scheinbare Plausibilität im verunsicherten Bürgertum. l94l diente der "Kampf gegen den jüdischen Bolschewismus" als Propagandafanfare für den Überfall auf

die Sowjetunion und half, Hemmungen vor dem systematischen Judenmord abzubauen. Die Hohmann-Affäre hat gezeigt, dass die Gleichsetzung der Juden mit den Verbrechen des Bolschewismus bis heute herumgeistert.

So kamen im Krieg all jene Zutaten zusammen, aus denen die Antisemiten nach l9l8 einen neuen Giftcocktail mischten. Das uralte Motiv des "jüdischen Schmarotzers" erstand in Gestalt des "Kriegsgewinnlers" neu. Der vermeintlich "zersetzende" , liberalindividualistische Jude des l9. Jahrhunderts wandelte sich in den "bolschewistischen Revolutionär". Und einmal mehr galten die Juden als national illoyale, "wurzellose Kosmopoliten" . Die deutsch-nationalen Kräfte verhöhnten die erste deutsche Demokratie daher als angeblich "undeutsch" und als "Judenrepublik" .

Viele Deutsche akzeptierten diesen Wahn als Realität. Der Schriftsteller Jakob Wassermann schrieb l92l verbittert über seine Mitbürger: "Es ist vergeblich, in das tobsüchtige Geschrei Worte der vernunft zu wefen...  Es ist vergeblich, für sie zu leben und für sie azu sterben.

Sie sagen: Er ist ein Jude."

Der Patriotismus und die Opferbereitschaft der deutschen Juden wurden im Ersten Weltkrieg bitter verhöhnt. Doch staatlicher Diskriminierung hatten andere Bevölkerungsgruppen womöglich noch mehr gelitten, vor allem die nationalen Minderheiten im polnisch geprägten Osten Preußens, in Elsass-Lothringen sowie in Nordschleswig. Und Opfer eines Völkermords in diesem Krieg wurden nicht die Juden, sondern die Armenier im Osmanischen Reich. Dieser

nach wie vor von der Türkei geleugnete Genozid erscheint heute als ein Probelauf zu der noch größeren Katastrophe, die einen Weltkrieg später über die europäischen Juden hereinbrach. Die zwischen l9l4 und l9l8 erbrachten Opfer waren umsonst gewesen.

 

CHRISTOPH JAHR

 

Christoph Jahr ist wissenschaftlicher Assistent an der Humboldt- Universität zu Berlin.

 

 

in : Delta 8 / okt. 2007, p.22

 

* Men kan verkeeren..., Brederode wist het al

'Iedereen die W.O.2 meegemaakt heeft, weet nog dat Groot-Brittannië en nazi-Duitsland vijanden waren. Terecht zouden wij zeggen, geen haar op ons hoofd dat er aan denkt dit 'Rijk van de Antichrist' (Egon Friedell) te verdedigen. Maar valt mij daar toch niet toevallig een oud nummer van The Saturday Review uit de jaren dertig van vorige eeuw in handen! En wat zie ik op de voorpagina? Een vet opgemaakte kop met, jawel u leest goed..., "Heil Hitler"! Ach, beste lezer, in die jaren kon men ook in The Times en de Daily Mail artikels lezen die overliepen van sympathie voor de Duitse dictator. Trouwens aïs hij dan al een afkeer had van nazi-Duitsland, dit belette de Britse beau monde niet om zijn vakantie door te brengen in de Beierse Alpen. En dit niet alleen toen de Führer aller Germanen pas aan de macht gekomen was, neen, tot en met de winter van 1938-1939, toen de oorlog voor de deur stond. Chamberlain vond Hitler trouwens best iemand waar mee te praten viel en de oppositie tegen hem leek hem méér dan verdacht toe. In Engeland waren Churchill en Lord Baldwin nagenoeg de enige politicus die er een andere mening op na hield. En in Frankrijk was het nauwelijks beter. Nog in de late jaren dertig gingen Franse oud-strijders op vriendschappelijk bezoek in Duitsland en de Franse auteur Jean Giraudoux, die een hoge functie had aan het ministerie van Buitenlandse Zaken, en die bijgevolg inzage had in uiterst vertrouwelijke rapporten, wist in 1939, nauwelijks enkele maanden voor de oorlog uitbrak, nog te vertellen dat de Joden in zijn land niets te vrezen hadden "omdat Duitsland Frankrijk toch nooit zou binnen vallen". Tot de val dichtklapte natuurlijk.

 

*  Kirchliche Druckerlaubnis. Niet alleen in Engeland waren er die zich op het fenomeen Hitler verkeken. Voor ons ligt een klein boekje "Der Fahnenschwinger", geschreven door een zekere Marga Müller en in 1935 uitgegeven bij Verlag Ars Sacra in München, dus na de machtsovername.  De inhoud en vooral de illustraties liegen er niet om. Anti-nazi kan met dit geschrift, dat duidelijk tot een katholiek publiek gericht is (Ars Sacra !), bezwaarlijk noemen . De bisschop van München heeft er trouwens uitdrukkelijk zijn toestemming toe gegeven: Kirchliche Druckerlaubnis!             

  

Juristen als NS-Helfer, Focus, 44/2001, S. 12

 

Der Titel garantiert Zündstoff: "Berliner Rechtsanwälte während des Nationalsozialismus" heißt die 500-Seiten-Studie, die der Berliner Anwaltsverein in dieser Woche veröffentlicht. Sie beleuchtet erstmals die aktive Rolle der Juristen bei der Verfolgung jüdischer Kollegen, Die " große Mehrheit der Anwaltschaft hat damals versagt", so der Vorsitzende des Berliner Anwaltsvereins, Uwe Kärgel, zu FOCUS. Statt ihre jüdischen Kollegen vor dem Terror zu schützen, hätten " viele aus Hass und Konkurrenzneid daran mitgewirkt " .

Verfolgt und vertrieben:54 Prozent der 1933 in der Hauptstadt zugelassenen 3400 Anwälte waren Juden, Sie wurden aus den Gerichten geprügelt, mit Berufsverboten belegt, in die Emigration getrieben oder ermordet. Kärgel: "Ich befürchte, dass nicht wenige Berliner Kanzleien Wurzeln in Sozietäten haben, die damals nicht gerade Vorbilder waren."

 

 

Kraus Albert H.V., 1938 begann die Terrorisierung der Juden, in: LW 08/11/2008

 

Gewalt, Spott und Hohn

 

 

Lagnado Alice, Polish historians tell how locals massacred Jews, The Times 04/11/2002

 

Thousands of jews were killed by Poles in about 30 organised massacres during the Nazi offensive of 1941.

The evidence will shock the country, where the Communist authorities had covered up the Polish role in the massacres.

 

 

POLOGNE / Wisniewska Irena, Un village déchire la conscience polonaise, LS 23/03/2001

 

« Sasiedzi », « Les voisins », le livre de Jan Tomsz Gross, Juif polonais émigré aux Etats-Unis après la vague antisémite de 1968. Il raconte l’histoire d’un pogrom à Jewadne, une localité du nord-est du pays. Nous sommes en juin 1941. Le village, incorporé deux ans plus tôt à l’URSS, est reconquis par les Allemands. Après deux semaines, ayant reçu carte blanche de l’occupant, les villageois entreprennent d’exterminer les Juifs. D’abord, c’est la chasse à l’homme : les victimes périssent lapidées, noyées ou frappées à mort avec des bâtons. Le 10 juillet, 1.500 personnes sont traînées de force dans une grande et brûlées vives.

La presse nationaliste de droite a déjà prononcé son verdict : « fantasmagories » et « mensonges ».

 

 

Raul Hilberg, Sur la catastrophe juive et le nazisme, propos recueillis par Michel Grodent, LS, 04/03/1994

 

Sur la participation des intellectuels au génocide.

“Le parti nazi compta une foule d’ intellectuels dont certains occupaient le sommet de la hiérarchie.  Ce sont les médecins, défenseurs de l’euthanasie, et les juristes, habiles à donner aux mesures les plus folles une apparence de l’égalité, qui ont le plus gravement cautionné le régime.”

 

ZDF - 13/04/2004

 

Ärzte unterm Hakenkreuz

Während des Hitler-Regimes dienten viele Ärzte nicht mehr dem Menschen, sondern nationalsozialistischen ‘Idealen’.

Was trieb sie an ?

« Rassenwahn »

Mit grausamen Menschenversuchen, Euthanasie, Zwangssterilisation.

 

 

In : Mathil Pol, La mémoire d’un massacre plutôt que le massacre d’une mémoire, LS 23/03/2001

 

L’antisémitisme n’a pas disparu de Pologne, même après l’Holocauste, au cours duquel sont morts 3 millions de Juifs polonais (c’est-à-dire 90 % d’entre eux). Des rescapés d’Auschwitz et du goulag ont été victimes de pogroms après la guerre, notamment à Kielce et à Cracovie en 1946 ; le reste des Juifs, souvent les plus assimilés, ont vu leur existence brisée en 1968 ; les derniers survivants sont, aujourd’hui encore, attaqués par l’extrême-droite nationaliste et une partie du clergé, une frange certes marginale de la société, mais disposant de moyens de diffusion et d’endoctrinement très puissants.

Plus on parle de la vérité de l’Histoire, plus on a de chances quelle ne se répète pas.

 

 

Von Hölle zu Hölle,  ZDF, 29/06/2005  (D/BY 1996 – Regie Dmitri Astrachan)

 

Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit: Am 4. Juli 1946 fiel, ein aufgebrachter Mob – polnische Bewohner der Kleinstadt Kielce – über jüdische Mitbürger her und folterte sie zu Tode. 42 Tote waren zu beklagen. Nach weiteren antisemitischen Pogromen in anderen Städten Polens verliessen weit über 100 000 Juden ihre Heimat.

 

 

 

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(Worms (Germany), a partly preserved Jewish Cemetery)

20:12 Écrit par justitia & veritas dans Général | Lien permanent | Commentaires (0) |  Facebook |

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